Freitag, 8. August 2014

Abenteuer am Klein Furkahorn (3026m)

Was tut man, wenn die Tourenpläne, die zuhause erarbeitet wurden, nicht zu den objektiven und subjektiven Gegebenheiten passen? Man kann dann entweder versuchen, die Gegebenheiten zu ändern oder aber die Pläne anpassen.
In unserem Fall hätte die erste Handlungsoption bedeutet, das Wetter und Jan Olivers Unterarm zu ändern. Erstes ist - glücklicherweise - noch nicht möglich, und leider scheint es auch noch keine Wunderheilung für eine Sehnenscheidenentzündung zu geben. Das ist die Diagnose des Arztes, den wir gestern besuchten. Und sein Rat zur Heilung ist (außer natürlich die obligatorischen Mittelchen wie Diclofenac und Ibuprofen zu verschreiben): nichts tun, was schmerzt. Blöd nur, dass alles, was beim Klettern oder Hochtourengehen mit dem Arm gemacht werden muss, irgendwie schmerzt.
So bleibt uns also nur, unsere Pläne anzupassen. Also werden wir heute erneut weder klettern noch uns zu einer Hochtour aufmachen sondern stattdessen auf das Klein Furkahorn steigen. Dieser 3026m hohe Gipfel gehört zu den Urner Alpen und lässt sich über verschiedene Wege von der Furkapassstraße aus besteigen.
Wir wählen den SW-Grat, der in zweieinhalb Stunden und leichter Kletterei (II-III) vom Hotel Belvedère zum Gipfel führt.
Um 11:15 Uhr gehen wir los und folgen zunächst einem Wanderweg, der gut markiert zu einer Reihe von Militäranlagen führt.

Interessante Bunkeranlage

Kurz darauf wird die Markierung dürftiger, und wir gehen schließlich den mäßig steilen Hang in Richtung des Grates.

Weglos zum Grat, im Hintergrund der Gipfel mit dem nach rechts ziehenden Grat

Der untere Teil des Grates ist einfach zu gehen. Gehpassagen wechseln sich mit leichter Blockkletterei ab. Die Tiefblicke zum Rhonegletscher sind allerdings eindrucksvoll.

Im leichten Teil des Grates

Nach oben hin gibt es einige steilere Aufschwünge, die man zwar umgehen könnte, die sich aber viel schöner überklettern lassen, wie man an den folgenden Bildern unschwer erkennt.





Um 13:45 Uhr erreichen wir den Gipfel, und auch wenn die Wolken ringsum den Blick auf die hohen Berner und Walliser Alpen versperren, sieht das Wetter doch nicht so schlecht aus, dass wir uns mit dem Abstieg beeilen müssten. So entscheiden wir, nicht den Normalweg über den Südhang zu gehen, was ein markierter Weg ist, sondern stattdessen dem Sidelengrat bis zur gleichnamigen Lücke zu folgen. Dieser Grat führt vom Klein Furkahorn bis zum Sidelenhorn, und die gesamte Überschreitung enthält Kletterstellen bis zum IV. Grat. Bis zu der genannten Lücke soll es aber nicht schwerer als II sein. Von dort soll es dann über die Flanke zur Rhoneseite problemlos zum Ausgangspunkt zurück gehen.


Also brechen wir nach einer kleinen Stärkung voller Vorfreude auf weitere nette Kletterstellen auf. Der Grat entpuppt sich allerdings als recht anspruchsvoll, sowohl was die Gesteinsqualität als auch die erforderlichen Klettertechniken betrifft.


Ungewöhnliche Kletterstellen erfordern eben solche Klettertechnik

Trotzdem kommen wir gut voran und erreichen schließlich eine Scharte zwischen zwei Aufschwüngen, die unserer Meinung nach die Sidelengratlücke sein müsste. Doch wo soll es hier einen Abstieg geben? Eine steile und schottrige Rinne zieht den Hang hinunter, und weiter unten machen wir ein paar Altschneefelder aus. Aber nirgends die Spur einer Spur!
Sind wir vielleicht noch nicht an der richtigen Lücke angekommen? Wir klettern also auf den nächsten Turm, doch oben angekommen können wir wiederum nicht erkennen, wie es weitergehen soll. Also steigen wir wieder in die Scharte zurück.
Wir machen uns an den unangenehmen Abstieg in der Hoffnung, irgendwann auf eine Spur zu treffen.

Heikler Abstieg

Die Hoffnung erfüllt sich nicht. Laut Führer soll es ja eine Möglichkeit geben, den Hang absteigend zu queren. Das versuchen wir auch, nachdem wir den oberen, sehr steilen Teil hinter uns gebracht haben. Zunächst geht das auch ganz gut, bis wir schließlich in einer Plattenzone landen, aus der uns sogar einige Bohrhaken entgegenblinken. Wir haben also die ebenfalls im Führer beschriebenen leichten aber langen Klettereien auf das Klein Furkahorn erreicht. Das Wissen hilft uns aber nur insoweit, dass wir hier nicht weiterkommen werden. Also bleibt noch der weitere direkte Abstieg auf die Seitenmorände des Rhonegletschers, wo sich ja der untere Weg befinden soll.
Nach erneutem Rutschen und Stolpern im weglosen Gelände stehen wir auf dem Moränenkamm. Aber auch hier können wir keinen Pfad finden. Stattdessen müssen wir, als wir dem Kamm nach links folgen, nur allzu bald erkennen, dass wir wiederum in einer Sackgasse stecken. Denn der Kamm wird von einer unpassierbaren Plattenzone unterbrochen. Jetzt vermuten wir, dass alle Angaben im Führer nicht mehr aktuell sind und deshalb die dort beschriebenen Wege auch gar nicht mehr existieren.
Auch dieses Wissen hilft uns nur bedingt weiter. Die letzte Möglichkeit, die uns nun bleibt, ist, ganz hinunter auf den Gletscher abzusteigen. Das bedeutet allerdings, die extrem steile und aus völlig losem Material jeglicher Größe bestehende Moräne hinunter zu gehen.

Wo ist der "beste" Weg nach unten?

Wir beschließen, es entlang eines Bachlaufes zu wagen. Offensichtlich ist uns das gelungen, und so stehen wir um 17:45 Uhr auf dem blanken und flachen Rhonegletscher.

Endlich in Sicherheit

Der Rest ist Formsache, und eine halbe Stunde später sind wir am Ende des Gletschers angekommen, wo wir noch den mit riesigen Planen abgedeckten Bereich "bewundern" dürfen, in den alljährlich die Touristenattraktion "Eisgrotte" gegraben wird.

An der "Eisgrotte"

Donnerstag, 7. August 2014

Wanderung auf das Sidelhorn (2762m) vom Grimselpass

Beim Klettern in den Engelhörnern am Tag zuvor war mein Handgelenk angeschwollen und schmerzte bei Bewegungen der Hand. Da dies kein guter Zustand zum Klettern und Bergtouren unternehmen ist, ging ich zum Arzt, der eine Sehnenscheidenentzündung diagnostizierte. Ich sollte nichts machen was schmerzen würde, bis es wieder gut sei. Da es am Nachmittag noch nicht regnete, entschieden wir uns, wenigstens noch eine kleinere Wanderung zu unternehmen. Wir suchten uns das Sidelhorn heraus, an dem es einen Rundweg gibt, der auf den Gipfel über den Triebtensee zurück führt.

Aufstieg in den Wolken

Der Weg ist auf der Wanderskala mit "T3 anspruchsvolles Bergwandern" bewertet. Die Skala reicht von "T1 Wandern" bis "T6 schwieriges Alpinwandern". Gelobt wird der Wanderweg für seine schönen Ausblicke in die umliegenden Viertausender und auf deren Gletscher.

Husegghütte am Wegesrand
Blick auf den Oberaargletscher

Die Berge selbst steckten durchgängig in dunklen Wolken und der Blick auf die Gletscher war nur teilweise frei. Eine größere Wandertruppe war noch vor uns auf dem Sidelhorn und stieg wieder zum Grimselpass ab, als wir zum steinigeren Gipfelaufstieg gelangten.

Chuck vor dem Sidelhorn

Die letzten Meter auf den Gipfel führten durch etwas steinigeres Gelände. Oben angekommen machten wir eine kleine Pause und stiegen dann über ein paar Blöcke und später wieder einen Wanderweg in Richtung des Triebtensees ab. Beim Abstieg merkte ich immer noch den Muskelkater in den Oberschenkeln, den ich mir drei Tage vorher am Wetterhorn geholt hatte.



Der Rückweg brachte uns auf einem anderen Weg zurück bis zur geschlossenen Husegghütte, von wo aus wir den gleichen Abstieg nahmen, den wir ein paar Stunden vorher gekommen waren. Nach guten drei Stunden, in denen das Wetter zum Glück noch gehalten hatte, waren wir wieder am Grimselpass.


Rückweg mitten durch die Wolken

Mittwoch, 6. August 2014

Rückschläge an den Engelhörnern

Nach einem Ruhetag, an dem wir unser Material getrocknet und die müden Beine ausgeruht hatten, zog es uns wieder in die Berge. Dieses Mal wollten wir an den Engelhörnern eine Route klettern, in der wir uns vor ein paar Jahren verstiegen hatten. Nun wollten wir den Weg besser finden und die Route zu Ende klettern.


Bei bestem Wetter stiegen wir mit noch etwas schweren Beinen auf. Die Engelhornhütte erreichten wir nach knapp einer Stunde. Von dort aus ging es weiter zum Einstieg unserer Route, den wir zielsicher fanden. Die Wand über uns war zu großen Teilen noch nass. Es war unklar, wie sich dies auf unsere Route auswirken würde. Die Sonne hatte die Wand noch nicht erreicht und würde noch eine knappe Stunde brauchen. Vorher würde wohl auch nichts abtrocknen. Da die erste Seillänge trocken schien, entschieden wir uns einzusteigen. Chuck startete im Vorstieg und schimpfte schon bald über die Kletterei, die ihm gar nicht läge. An einer Stelle musste man etwas weiter vom Haken weg klettern und hatte weder vernünftige Griffe noch Tritte. Chuck kam demotiviert wieder runter. Wir wechselten den Vorstieg und ich kämpfte mich die Stelle empor.


Wir fanden nun auch die zweite Seillänge, in der wir uns vor einigen Jahren verstiegen hatten. Chuck begann zu klettern. Nach einigen Metern gab es abermals eine extrem glatte und strukturlose Stelle zu überklettern. Die nächsten Griffe schienen weit entfernt in einem nassen Teil der Wand zu finden sein. Chuck entschloss sich zum zweiten Mal abzubrechen. Dieses Mal sah ich auch keinen Sinn darin, weiterzumachen, da wir noch einige auch schwerere Seillängen vor uns hatten und wir in der aktuellen Form dieser Route anscheinend nicht gewachsen waren. Ich denke, dass zum einen unsere Beine einfach noch zu sehr voller Muskelkater waren. So waren das hohe Antreten und das notwendige auf Reibung Stehen schwierig. Zum anderen waren wir diese Felsart nicht mehr gewohnt und bräuchten ein bisschen mehr Übung, um wieder "reinzukommen".

Zu dieser Demotivation kamen noch einige andere Dinge, die den Tag besonders für mich ziemlich schlecht werden ließen:
  • Auf dem Hinweg waren mein unterer Rücken und meine Hose voll isotonischen Getränks, weil mein Trinksack den Geist aufgegeben hatte und undicht geworden war:
  • Am Tag vorher war das Armband meiner Sportuhr mit dem Höhenmesser aus dem Gehäuse gebrochen:
  • Ich verstaute sie darum in der Brusttasche der Jacke, wo sie am Fels entlang schrabbte und die nagelneue Jacke zerriss, die ich zum ersten Mal in den Bergen trug:
  • Im Laufe des Tages schmerzte mein Handgelenk immer stärker, was sich am nächsten Tag als eine Sehnenscheidenentzündung herausstellte:


Nach dem Abbruch entschieden wir uns noch eine leichtere Route mit vier Seillängen zu klettern, bevor wir wieder ins Tal abstiegen. Diese Route gelang uns zum Glück.


Montag, 4. August 2014

Wetterhorn (3692m) über Willsgrat

Der Wecker in unserem Privatlager klingelte um 3:00 Uhr. Draußen sah man die Sterne am Himmel, aber auch ein paar niedrige Wolken an den Bergen. Wir packten unsere Rucksäcke und machten die Betten. Auf Hütten in den Alpen ist es Pflicht, morgens die Decken zusammenzulegen und alle Gegenstände aus dem Lager zu entfernen. So ist gesichert, dass die nächsten Gäste bei Ihrem Eintreffen auf der Hütte das Lager belegen können. Auch wenn man zwei Nächte auf einer Hütte bleiben wollte, ist die Räumung des Lagers obligatorisch.  

Morgens, halb vier, auf der Glecksteinhütte

Um 3:30 Uhr saßen wir am Frühstückstisch. Der Gastraum der Glecksteinhütte wurde über Nacht durch erzeugte Restenergie des Tages geheizt, und so konnten wir im T-Shirt frühstücken. Es gab leckeres Müsli wahlweise mit und ohne Zucker und Cornflakes mit Joghurt. Neben Marmelade gab es auch Käse zu dem relativ frischen Brot. Die Glecksteinhütte wird alle ein bis anderthalb Wochen durch den Hubschrauber mit frischen Lebensmitteln versorgt. 

Anziehen der über Nacht getrockneten Schuhe

Wir packten unsere Rucksäcke und sortierten noch einige Dinge aus, die wir in Körben auf der Hütte verstauten, da wir sie am Nachmittag erst wieder abholen wollten. Die Hüttenschlafsäcke und Zahnbürsten würden wir am Berg wohl kaum benötigen. Alles gepackt und die Rucksäcke geschultert hatten wir um 4:12 Uhr, als wir die Hütte verließen und in Richtung des Chrinnengletschers aufbrachen. Es war nicht besonders kalt, und der Wanderweg, dem wir anfangs folgten, war sehr gut markiert, so dass wir ihn mit unseren Stirnlampen gut finden konnten. 

Grindelwalder Gletscher und Schreckhorn

Um ca. 6:00 Uhr erreichten wir den Chrinnengletscher, an dem wir unsere Steigeisen, Gurte und das Seil anlegten. Der Firn auf dem Gletscher war gut begehbar, und nach 40 Minuten kamen wir auch schon am Ende der Spur an, die wir auf dem Gletscher vorgefunden hatten. Hier ging es wieder in den Fels. Wir folgten einem rotgelben Granitrücken, bis wir dunklen Kalk erreichten. Die abwärtsgeschichteten Kalkplatten stiegen wir noch etwas an. Bei Vereisung soll dieser Teil kaum passierbar sein. An der ein oder anderen feuchten Stelle konnten wir die Warnung vor Vereisung gut nachvollziehen. Zum Glück war es ja warm.

Wir hatten die Rechnung allerdings ohne einen Einschnitt gemacht, den wir vor dem Erreichen des Willsgrätli noch queren mussten. In diesem Einschnitt lief eine Menge Schmelzwasser über die noch nicht sonnenbeschienenen Felsen. Auf den Felsen hatte sich Eis gebildet. Dieser nur einen Meter breite kleine Bachlauf war uns ohne Steigeisen zu heikel. Wir legten also wieder einmal die Steigeisen an.

Vereister Kalk

Nach der Querung zogen wir die Eisen wieder aus. Es war nicht mehr weit bis zum Beginn des Willsgrätli, einem teilweise scharf zu beiden Seiten abfallendem Grat, den wir um kurz nach 8:00 Uhr erreichten. Während uns zwischendurch schon einmal dichte Wolken umwabert hatten, zog es wieder mehr auf. Man konnte zwischenzeitlich den Gipfel und unseren ganzen Weiterweg sehen. Wir realisierten bei der erreichten Höhe und dem nun beginnenden anspruchsvollsten Teil der Tour, dass wir noch einiges vor uns hatten. Bei ein bisschen Sonne machte die Kletterei auf dem ausgesetzten Grat aber richtig Spaß und wir kamen gut voran.

Willsgrätli vor dem Wettersattel

An einer etwas anspruchsvolleren Stelle (der Grat ist mit maximal III bewertet) holten wir das Seil heraus und sicherten zwei Seillängen. Den Grat verließen wir kurz unterhalb des Wettersattels in eine Firnrinne, die uns in den ca. 3500 hohen Sattel brachte. Mittlerweile war es schon nach 9:30 Uhr. Von hier aus sollte es laut Führer noch zwischen einer halben und einer Stunde bis zum Gipfel dauern. Wir machten uns also auf zur letzten Etappe.

Oberhalb des Wettersattels im weichen knietiefen Pampschnee

Der Schnee sank unter meinen Füßen einfach weg. Ich rutschte teilweise bis über die Knie in feuchten, weichen Schnee. Wir kämpften uns zu einer erkennbaren Spur in der Hoffnung, dass die Tritte der anderen Bergsteiger den Schnee verfestigt hatten. Es half leider kaum etwas, in der Spur zu gehen. Auch dort brachen wir ein. Nach dem Firnverbindungsstück vom Wettersattel zum Gipfelaufbau erreichten wir diesen.

Gipfeletappe über schotterbeschichtete Platten und dünne Schneefelder

Über plattigen Fels, der teilweise eine Firnauflage hatte, kämpften wir uns bei immer weiter aufmachendem Himmel empor, dem letzten Firnstück der Route entgegen. Normalerweise gibt es wohl mehr Firn am Gipfelaufbau. Die Gipfelwächte tropfte uns erwartungsvoll entgegen, und wir stiegen leicht von links hinauf. Hier oben war der Firn noch super und die Aussicht, die vom Wetter genau im richtigen Moment freigegeben wurde, war atemberaubend.

Blick vom Gipfel in die großen, eisigen Berge und das grüne, freundliche Tal

Den Gipfel erreichten wir um 10:31 Uhr und somit ca. 6h20 nach dem Aufbruch von der Glecksteinhütte. Wir entschieden uns, die Sicherungsstangen im Gipfelaufbau zum Abseilen zu nutzen und kamen so mit ein paarmal Abseilen zurück zum Firngrat, der zum Wettersattel führt. Dort war es etwas windgeschützter als auf dem Gipfel, und wir aßen unsere Gipfelschokolade.

"Im" Willsgrätli

Nach der Gipfelschokolade stiegen wir wieder auf den Willsgrat. Unseren Weg zurück fanden wir wegen der Schärfe des Grates relativ einfach. Über die Stelle, an der wir am Morgen gesichert hatten, seilten wir nun auch wieder ab. 

Abklettern mit Tiefblick

Im weiteren Verlauf des Abstiegs, der uns nach dem Grat wieder auf den Felsrücken führte, mussten wir besonders beim Übergang vom Kalk zum Granit noch ein bisschen genauer gucken, damit wir unseren Weg auch fanden. Unsere Beine wurden immer schwerer. Der Abstieg bis zur Hütte, die wir um 16:11 Uhr erreichten, zog sich noch einmal ziemlich. Inklusive zwei größerer Pausen und der Zeit auf dem Gipfel hatten wir für den Abstieg bis zur Hütte 5h40 gebraucht. Es waren ziemlich genau 12 Stunden vergangen, seit wir die Hütte am Morgen verlassen hatten.

Nachdem wir uns mit einem kalten Getränk gestärkt hatten, packten wir die auf der Hütte deponierten Gegenstände in die sowieso schon viel zu schweren Rucksäcke und machten uns an den Abstieg. Es sah mal so aus, als ob das Wetter halten würde und mal so, als ob es doch noch einen Schauer geben könne.

Nach der Tour vor der Hütte mit Hoffnung auf einen trockenen Abstieg

Wir konnten zu Beginn des Abstiegs ein bisschen mehr vom Hüttenweg sehen, als dies am Vortag der Fall gewesen war. Was wir sahen, waren tiefe und steile Hänge bis hinunter in die Schlucht, durch die das Wasser des Grindelwaldgletschers rauschte. Leider sollten wir auch heute nicht trocken bleiben. Nach ca. einer Stunde ging der leichte Niesel in stärkeren Niesel und Regen über. 

Um 19:20 Uhr (nach 2h40) erreichten wir unser Auto auf dem Parkplatz vor dem Hotel Wetterhorn. Unsere Knie waren vom Abstieg ziemlich fertig und wir hatten kaum noch Kraft in den Beinen. Wieder einmal waren die ganze Ausrüstung und unsere Kleidung total durchnässt. Aber wir hatten die Tour geschafft! Wir hatten sogar eine super Sicht vom Gipfel aus und nun warteten eine heiße Dusche und ein weiches Bett.

Daten aus dem Tourenspeicher: 4:12 2320m Hütte, 6:43 2957m Gletscher verlassen, 8:04 3216m Start Grad, 10:31 3662m Gipfel, 14:20 2944m Gletscher betreten, 16:11 2303m Hütte angekommen, 19:20 1238m Auto

Sonntag, 3. August 2014

Aufstieg zur Glecksteinhütte

Gestern sind wir an unserem Urlaubsziel in der Nähe von Meiringen im Berner Oberland angekommen. Heute prüften wir noch einmal das Wetter und erkundigten uns nach den Verhältnissen am Wetterhorn, welches eine mögliche erste Tour für uns darstellte. Oben auf der Hütte konnte man uns telefonisch Auskunft geben, dass der Felsgrat zum Wetterhornsattel frei von Schnee sei und somit die Tour begangen werden könne. Vor zwei Tagen sei eine Seilschaft oben gewesen. Die Wetterdienste waren sich einig, dass morgen ein Tag mit wenig Risiko für Regen oder Gewitter sein sollte. Also beschlossen wir, die Rucksäcke zu packen und aufzubrechen.

Grindelwalder Kuh am Wiederkäuen

Für den heutigen Vormittag war noch Regen angekündigt. Da wir am Nachmittag auf die Hütte aufsteigen wollten, hofften wir, trocken oben anzukommen. Es schien schon ein wenig geregnet zu haben, als wir das Grindelwalder Tal erreichten, die Wolken hielten sich aber dennoch in den Bergen. Das Auto stellten wir vor dem Hotel Wetterhorn ab, und wir starteten um 13:00 Uhr den Aufstieg zur Glecksteinhütte. Nach einer Dreiviertelstunde erreichten wir die Wolken beim Überqueren eines schmuddeligen Schneefelds, das die Abzweigung des Hüttenwegs von einem Wanderweg markierte.

Altes Schneefeld in den Wolken

Der Hüttenweg zur Glecksteinhütte wird auf der Webseite der Hütte als einer der eindrucksvollsten Hüttenwege beschrieben. Dadurch, dass wir die meiste Zeit in den Wolken steckten, trauten wir uns nicht zu, dies zu bewerten. Interessant war der Weg jedoch allemal. Er schlängelt sich teilweise sehr nah an der Felswand entlang und man kann sich aus dem Tal heraus kaum vorstellen, dass ein Weg durch die steil abbrechende Wand an der Seite des Grindelwaldgletschers führt. 

Wie tief es wohl an der Seite nach unten geht?

Die Felsstufen, über die sich der Weg an die Wand schmiegte, waren teilweise feucht und dadurch etwas schmierig. Es begann nach ca. einer Stunde leicht zu tröpfeln. Noch waren die Tropfen sehr klein, und wir brauchten keine Regenjacken. Bei diesem leichten Getröpfel sollte es aber nicht bleiben. Hinter einer Biegung, die wir nach ca. anderthalb Stunden erreichten, kreuzte ein Wasserfall unseren Weg. Auf den rutschigen Steinen und mit einer Hand am sichernden Stahlseil, passierten wir ihn. Die Stelle zwischen Rucksack und Nacken stellte sich als am wenigsten wassergeschützt heraus.

Frisches, kühles Gebirgswasser

Ziemlich bald nach dem Wasserfall wurde der Regen dann so stark, dass wir die Regenjacken überzogen. Viele Teile des Hüttenwegs sind mit einer Art Geländer oder Stahlseilen gesichert, da sich der Weg an der Seite der tiefen Schlucht des Gindelwalder Gletschers entlangzieht. Bei sonnigem Wetter mit Tiefblick wäre dies sicher ein eindrucksvoller Zustieg gewesen. So waren wir aber ziemlich froh, als wir nach drei Stunden endlich oben waren und in die trockene Hütte traten.

Nach drei Stunden Aufstieg an der Hütte

Neben uns waren noch vier weitere Gäste auf der Hütte, welche eine Kapazität von 80 Personen hat. Somit war es ziemlich ruhig, und wir bekamen sogar unser eigenes Lager. Die Glecksteinhütte hat uns sehr gut gefallen. Sie ist mit so ziemlich allem ausgerüstet, was man sich wünschen kann. Es gibt eine warme Dusche und kleine Elektroheizungen. Ihren Namen trägt die Hütte übrigens vom Gläck, einem Viehsalz, welches Hirten für ihre Schafe auslegten. Die Tradition wird fortgeführt und scheint sich in der Tierwelt herumgesprochen zu haben. Am Abend kam eine Gruppe Steinböcke, um am Gläck auf einem Stein vor der Hütte zu lecken.

Lecken am leckeren Gläck